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Heute im TV: Wieviel Kapitalismus verträgt der Mensch?

Dienstag, 07. Oktober – ab 20:15 ARTE

In den letzten 50 Jahren hat sich die Welt der Wirtschaft rasant verändert. Aus den einstigen Traditionsbetrieben mit ihrer Arbeiterschaft sind Global Player geworden, die den Gesetzen des Finanzkapitalismus gehorchen. So steckt nicht nur die Wirtschaft aktuell in der Krise, sondern auch das Betriebsleben. Der zweiteilige Film wirft einen Blick hinter die Kulissen des tiefgreifenden Wandels, der sich seit den 1950er Jahren in der Welt der Großunternehmen vollzogen hat, und fokussiert auf die Veränderungen in Deutschland und Frankreich im Vergleich.

„Von Managern und Menschen“ zeigt den folgenschweren Wandel, der sich seit den 1950er Jahren in der Welt der Großunternehmen vollzogen hat: die Veränderung von Technologien und Management, die Entstehung und der Verfall großer Vermögen, das Ende des herkömmlichen Kapitalismus der großen Familienunternehmen sowie das Erstarken von Neoliberalismus und Finanzkapitalismus. Dabei wird deutlich, wie Frankreich nach und nach in die gegenwärtige Krise hineingeschlittert ist. In eine Wachstums-, Arbeitsmarkt- und Wirtschaftskrise, aber auch in eine Krise der Gesellschaft, die an deren Grundprinzipien rüttelt. Seit den 70er Jahren verlor Frankreich an Wettbewerbsfähigkeit und büßte Marktanteile ein, während andere – besonders Deutschland – davon hinzugewannen. Politische Entscheidungen, Strategien, Gesetze und Unterschiede im Management trugen ebenso zum Verlust von Arbeitsplätzen bei wie technische Neuerungen. Gleichzeitig wuchsen die Gewinne der Unternehmen ständig weiter. Aufgrund der Vermischung von politischen und privaten Interessen schließlich wurde die Führungsschicht ihrer Verantwortung nicht mehr gerecht. Der Film ist keine akribische geschichtliche Aufarbeitung. Vielmehr zeigt er ebenso einzigartige wie beispielhafte Momente aus der Welt der Großindustrie oder heimliche Absprachen zwischen Firmenchefs und Staatsmännern. Aussagekräftig werden so die Machenschaften der Geschäftswelt aufgedeckt, die Bedeutung von Machtnetzwerken wird verdeutlicht sowie von staatlichen Eingriffen und von der Unterscheidung zwischen privatem und öffentlichem Interesse.

Filmtipp: The East

Im Kino: „Everyday Rebellion“ und „Welcome to hell“

Everyday Rebellion

In ihrer sympathischen, aber ein wenig chaotischen Dokumentation zeigen die Gebrüder Riahi allerlei Verhaltensweisen, mit denen sich gewaltlos protestieren und Widerstand gegen eine übermächtige Staatsgewalt leisten lässt. Zudem lassen sie einige Vor- und Mitdenker des gewaltlosen Widerstands zu Wort kommen. Ihr mit mehreren Auszeichnungen bedachtes Werk ist allerdings nur ein Teil eines weitergehenden Angebots, das eine Web-Plattform, eine iPhone/Android-App und eine 52-minütige Fernsehfilmversion umfasst.

Welcome to Hell

Seit nunmehr einem Vierteljahrhundert behauptet sich das Kulturzentrum Reitschule als schreiend bunter Farbtupfer mitten in der Wüste der Ordnung der braven Beamtenstadt Bern. Der Film Welcome to Hell führt mitten hinein in diesen heftig pulsierenden Organismus. Einfühlsam und hautnah begleitet er neun Aktivistinnen und Aktivisten aus verschiedenen Generationen bei ihren Tätigkeiten in die Hinterzimmer der Reitschule. Er dokumentiert das unglaublich reiche Spektrum des kulturellen Angebots, thematisiert offen die Schattenseiten des Betriebs und lässt auch skeptische Stimmen aus den Reihen von Politik und Polizei zu Wort kommen. Ob Konzert, Krawall oder Kampsporttraining: Die Kamera ist immer mit drin im Geschehen. Die Bewegung bleibt in Bewegung.

Interviews mit den Machern der jeweiligen Filmen finden sich in folgendem Videobeitrag