Archiv für September 2014

Florenz, Fussball bis aufs Blut

Wochenstart! Nach dem Fussballsonntag hier einen Blick auf den traditionellen Fussball in Florenz. Oder zumindest das was sie Fussball nennen ;-)

Jedes Jahr im Juni versammeln sich die stärksten und mutigsten Männer von Florenz in farbenprächtigen Kostümen auf der Piazza Santa Croce zum Calcio Fiorentino, dem historischen Florentiner Fußballspiel. Vier Teams – sie nennen sich einfach nur die Blauen, die Grünen, die Weißen und die Roten – repräsentieren die vier mittelalterlichen Stadtviertel Santa Croce, Santa Maria Novella, Santo Spirito und San Giovanni.

Dieses Mal ist Biagio Cingolani der Anführer des Roten Teams und Marino Vieri der Chef der Weißen. Die Teilnehmer dieses archaischen Spiels sind allesamt aktive Sportler, sie trainieren Rugby, Boxen oder Kampfsport. Das ist nützlich, denn der Florentiner Fußball ist eine wilde Mischung aus allen möglichen Sportarten. Die Regeln, sofern sie überhaupt zum Tragen kommen, stammen aus dem 16. Jahrhundert. Prügeleien sind zwar verboten, doch kommt es häufig zu Nahkämpfen, und die sind oft brutal und manchmal blutig. Die Spieler zerren aneinander, raufen, schlagen sich mit den Fäusten ins Gesicht, ringen miteinander am Boden und verkeilen sich ineinander – immer angefeuert von den enthusiastischen Rufen der Zuschauer.

Die Aktiven verbindet außer der Leidenschaft für das Spiel nicht viel. Sie sind Unternehmer oder Mosaikleger, auch Ärzte und Rechtsanwälte spielen mit beim harten Florentiner Fußball – doch die weitaus meisten sind Vertreter des traditionellen Handwerks. „Man muss den Willen zum Kämpfen in sich tragen“, sagt Biagio Cingolani, „am Anfang ist es sehr schwer, aber wenn du die ersten Schwierigkeiten überwindest, spielst du das schönste Spiel der Welt, und das gibt es nur hier, in Florenz.“

Filmtipp: The East

Guten Morgen

Flüchtlinge: Hauptsache nicht vor der eigenen Tür?

Seit dem zweiten Weltkrieg soll es noch nie so viele Flüchtlinge gegeben haben – über 50 Millionen Menschen sollen zurzeit auf der Flucht sein. Viele davon landen in europäischen Ländern wie Deutschland. Die Unterkünfte platzen aus allen Nähten – die Suche nach neuen Unterkünften für Flüchtlinge gestaltet sich sehr schwierig. Der NDR hat eine Reportage gemacht in der diese schwierige Suche dokumentiert wird. Schwierig deshalb weil die Flüchtlinge alles andere als willkommen scheinen – oft trifft man auf Ängste und Kleinbürgerdenken u.v.m. wonach ihre ‚heile Welt‘ unangetastet bleiben soll. Quasi: Überall, nur nicht hier.

Leier können wir das Video nicht in den Blog einbetten, deshalb bitte hier oder auf das Bild klicken um zum Video zu gelangen.

R.I.P OZ

OZ wurde heute morgen tot bei den Bahngleisen aufgefunden. R.I.P OZ

Im memorian:

Über 100 Festnahmen an Protesten in New York

Über 300′000 Personnen demonstrierten in New York für mehr Klimaschutz, auch in vielen anderen Städten gab es z.T. grosse Demonstrationen. Am Montag war es auch 3 Jahre her als die Occupy Wall Street Bewegung ihren Anfang nahm. Ebenfalls in New York und am gleichen Tag demonstrierten mehrere tausend Personnen an der Aktion „Flood Wall Street“ (Wall Street fluten). Das Rütteln an den Absperrungen hat dort auch schon dazu gereicht das die (sichtlich überforderte) Polizei völlig austickte, die Menge mit Pfefferspray eindeckte und über 100 Personnen festnahm.

Mehr Informationen zu den Demos finden sich hier und hier

Zwischen den Fronten

In Syrien fallen weiter Bomben und es herrscht Bürgerkrieg. Auch wenn man in den Nachrichten nicht mehr so oft davon hört, gehen die Kämpfe und die Bombardements unvermindert weiter. Musste die Kämpfer der Freien syrischen Armme“ lange Zeit „nur“ gegen die Armee kämpfen, müssen sie sich nun auch der IS stellen.

VICE startet aktuell eine mehrteilige Videoserie über die Kämpfer der Freien syrischen Armee, die sich in den zerbombten (Geisterstädten) durchkämfpen. Hier Teil 1

Aleppo ist Syriens größte Metropolregion und ein jahrtausendealtes Handelszentrum. Heute gleicht es beinahe einer Geisterstadt und ist sowohl durch Luftangriffe des Assad-Regimes als auch den Rebellenoffensiven am Boden von weiterer Zerstörung bedroht.

VICE News ist der Islamischen Front durch die geheimen unterirdischen Tunnel bis hin zu den bedrohten Außenposten an der Front in der zerstörten Altstadt Aleppos gefolgt, wo das Rebellenbündnis trotz verschwindend geringer Chancen darum kämpft, die Kontrolle über die Symbolhauptstadt der syrischen Revolution zu behalten.

Wie bereits erwähnt sind viele Städte total zerbombt. Das dort aber nur noch Kämpfer/innen leben, ist aber falsch. Es gibt Famillien und darunter auch Kinder die sich entschlossen haben dort zu bleiben. Eine sehr interessante, wenn auch zum Teil schockierende, Doku berichtet über Kinder und ihr Leben in der umkämpften Stadt Aleppo.

Wenn Krieg schon schrecklich ist für Erwachsene, was richtet er dann erst in den Seelen der Kinder an? Über drei Jahre schon kämpfen die Rebellen gegen die Armee Assads: Mindestens 7000 Kinder wurden getötet, eine Million flohen aus dem Land. Viele Kinder Syriens leiden weiter unter Hunger, den Granaten, den Heckenschützen und den Luftangriffen. Viel zu viel Leid für kleine Seelen…

Abu Ali und seine Frau Hala haben drei Töchter, Helen, Farah, Sara und einen Sohn, Mohammed. Abu Ali ist Kommandeur eines Bataillons der Freien Armee in Aleppo und er hat mit seiner Frau und den Kindern entschieden, das sie alle zusammen bleiben wollen. Sie leben in einem der Häuser an der Front, aus denen die Menschen nach den schweren Luftangriffen von Assads Armee geflohen sind – weit jenseits der Viertel in denen noch ein Hauch von „Normalität“ in Aleppo zu spüren ist.

Marcel Mettelsiefen hat das Vertrauen dieser Familie gewonnen und ein paar Tage lang ihren Alltag filmen dürfen: Was Helen, Farah, Sara und Mohammed ihm erzählten, das ist das zutiefst verstörende Zeugnis der Schrecken des Krieges aus Kindermund – wie ein Weckruf an die Welt, endlich irgendetwas zu unternehmen, um dem Grauen in Syrien ein Ende zu setzen.

Netwars… Krieg im Netz


Mit einem Klick auf das Bild öffnet sich neues Fenster und die Doku-Webseite

Internet, App’s, Smartphones… die digitale Welt ist voller neuer Entwicklungen und Möglichkeiten. Man zeigt uns schnell einmal was diese und jene Entwicklung alles für Vorteile haben soll. Das diese aber auch immer mehr persönliche Daten von uns verwalten wird dabei gerne unerwähnt gelassen. Zusätzlich brisant wird es durch den Fakt das viele neue Entwicklungen sich über die Werbung finanzieren, so wie auch der grösste Internetdienstleister Google. Je mehr Werbung angeklickt wird, umso mehr verdienen sie. Um möglichst viel Interesse für die geschaltete Werbung zu wecken, werden darum deine persönlichen Daten verwendet um die ‚personalisierte‘ Werbung anzeigen zu lassen. Und genau diese Daten sind auch meist heikel wenn sie in die falschen Hände gelangen – sie sind meist nicht nur privat sondern es werden auch Kreditkarten-Daten u.v.m. gespeichert und verwaltet. Doch nicht nur für normale User kann’s kritisch werden. Ganze Staaten hängen am Internet und Infrastrukturen von Millionen von Menschen werden über Computer und Systeme verwaltet. Und genau das macht sie auch angreifbar. Die Kriegsschauplätze verlagern sich… auch ins Netz.

Um dieses Thema dreht sich die Webdoku Netwars

Übrigens: Nächsten Sonntag gibts hier einen Beitrag darüber, das Computer, das Smartphone, das Internet uns alles vereinfachen, erleichtern sollen… schön wärs. Die Leute sind heute meist gehetzter (und überwachter) als je zuvor. Mehr dazu gibts nächsten Sonntag hier.

Ausverkauf Europa

Wem gehören die Berge, Wälder und historischen Stätten Europas? Diese Frage hatte sich der Südtiroler Regisseur Andreas Pichler noch nie gestellt – bis er erfuhr, dass ganz in der Nähe seiner Heimat, im österreichischen Bundesland Tirol, ein Berg zu verkaufen war. Er fand heraus, dass Immobilienmakler in ganz Europa staatliches Eigentum zum Kauf anbieten: nicht nur Berge, sondern auch Wälder, unter Naturschutz stehende Inseln und sogar Denkmäler.

Der Film führt quer durch Europa von Irland über Frankreich, Italien und Spanien bis nach Griechenland. Dort überall wird das Natur- und Kulturerbe Europas Stück für Stück „verscherbelt“. Weder die nationalen Regierungen noch die Regional- und Kommunalverwaltungen schrecken davor zurück, Sehenswürdigkeiten zu verkaufen, Eintritt für öffentliche Parks zu verlangen oder Immobilientransaktionen in Schutzgebieten zu genehmigen. Kritisiert werden unter anderem die von einem Multimillionär gesponserte Restauration des Kolosseums in Rom oder das Geschäft mit öffentlichen Liegenschaften und Arealen in Berlin. Der geplante Verkauf der staatlichen Wälder in Irland scheiterte an Protesten. Doch trotz vieler Demonstrationen gerät immer mehr öffentliches Eigentum in die Hände von Luxuskonzernen, Bauprojektträgern, Finanzunternehmen, Milliardären und anderen privaten Investoren.

Auf seiner Reise begegnet der Regisseur Menschen, die gegen diese Privatisierungen kämpfen und das allgemeine Problembewusstsein dafür schärfen. Sie setzen sich für den freien Zugang aller Bürger zu den wertvollen „Gemeingütern“ und für deren Erhalt für zukünftige Generationen ein.

Calais: Neonazis hetzen gegen Flüchtlinge

In Calais marschierten die Neonazis auf um gegen Flüchtlinge zu hetzen.

In Calais an der Nordküste Frankreichs leben laut Berichten mehr als 1000 Flüchtlinge in besetzten Häusern und Notunterkünften. Die Meisten von ihnen versuchen, sich bis nach Großbritannien durchzuschlagen. Ihre Verzweiflung in Calais hat inzwischen ein solches Ausmaß angenommen, dass vor Kurzem ungefähr 80 Flüchtlinge den dortigen Haupthafen gestürmt haben und als blinde Passagiere einer Fähre über den Kanal wollten. Der unterschwellige Ärger über die Refugees entlud sich am darauffolgenden Wochenende, als viele Einwohner von Calais an einer Demonstration teilnahmen, die von einer stark rechts orientierten Gruppierung namens „Sauvons Calais“ organisiert wurde.

VICE News war bei der Demonstration dabei. Dort wurde viel geboten—unter anderem mit Neonazis verkehrende Redner, Rufe nach Ausrottung und sogar der Hitlergruß. Wir besuchten auch ein neues Migrantenlager in einer alten Recyclinganlage, wo viele Menschen ein neues Zuhause fanden, nachdem die Polizei im Juli andere Camps zerstört hatte. Für die Rechten ist dieser Ort eine ständige Quelle der Verärgerung, während die Bewohner dort auf eine bessere Zukunft hoffen.

Nicht alle schauen aber nur zu, einige Antifaschisten leisten in Calais auch tatkräftig Wiederstand gegen die Neonazis